Fachleistungsstunden abrechnen: die fünf Fehler, die Rückläufer verursachen
Die Abrechnung nach Fachleistungsstunden ist das Rückgrat der ambulanten Jugendhilfe – und die häufigste Quelle für Streit mit dem Kostenträger. Die fünf typischen Fehler und wie du sie vermeidest.
1. Direkte und indirekte Stunden nicht sauber getrennt
Viele Vereinbarungen unterscheiden zwischen klientenbezogener Arbeit am Menschen (direkt) und Vor-/Nachbereitung, Fahrzeit oder Dokumentation (indirekt) – oft mit einer Quote, wie viel Indirektes aufs Kontingent zählen darf. Wer das erst am Monatsende sortiert, sortiert falsch. Besser: schon bei der Erfassung je Einsatz kennzeichnen.
2. Über das Kontingent hinaus geleistet
Bewilligt sind z. B. 8 Stunden pro Woche – geleistet wurden 10. Die 2 Stunden zahlt niemand. Ein Kontingent-Wächter, der vor dem Einsatz warnt („nur noch 3 Stunden übrig in diesem Bewilligungszeitraum"), verhindert unbezahlte Arbeit zuverlässiger als jeder Rückblick. Ob euer Kontingent bis zum Ende des Zeitraums reicht, rechnet der Stundenkontingent-Rechner in einer Minute aus.
3. Leistungsnachweis ohne Unterschrift
Bei Prüfungen wollen Jugendämter sehen: Wer war wann wie lange da – und hat die Familie das bestätigt? Papier-Stundenzettel gehen verloren; eine digitale Unterschrift direkt nach dem Termin (Tablet/Handy) mit Versiegelung ist beweissicherer und spart das Einsammeln. Ob sie rechtlich zählt und was du dafür mit dem Kostenträger klären solltest: Ist die digitale Unterschrift auf dem Leistungsnachweis rechtssicher?
4. Abrechnung und Doku sind zwei getrennte Welten
Wenn die Fachkraft dokumentiert UND die Verwaltung dieselben Einsätze nochmal in eine Excel tippt, entstehen Abweichungen – und genau die fallen bei Prüfungen auf. Die Regel: Was dokumentiert ist, IST die Grundlage der Abrechnung. Ein System, eine Wahrheit.
5. Stundensatz- und Zeitraumfehler
Satzerhöhung zum 01.01., abgerechnet wird aber der alte Satz – oder Leistungen rutschen in den falschen Monat. Eine automatische Plausibilitätsprüfung vor dem Rechnungslauf (Satz gültig? Bewilligung aktiv? Zeitraum korrekt?) fängt das ab, bevor die Rechnung das Haus verlässt.
Checkliste für den Monatsabschluss
- Alle Einsätze dokumentiert und (wo vereinbart) unterschrieben?
- Direkt/indirekt korrekt gekennzeichnet, Quote eingehalten?
- Kontingente und Bewilligungszeiträume geprüft?
- Plausibilitätsprüfung ohne Befund?
- Rechnung als E-Rechnung (XRechnung) übermittelt, wo das Amt es verlangt?