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Soziotherapie nach § 37a SGB V anbieten: wer wird zugelassen?

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Nils Rieter · Gründer von Lotsana, IT-Unternehmer aus dem Raum Köln. Baut Fachsoftware für ambulante soziale Dienste und schreibt hier über die Praxis dahinter.

Es gibt eine Kassenleistung für schwer psychisch kranke Menschen, die seit über zwanzig Jahren im Gesetz steht, und in vielen Regionen Deutschlands gibt es schlicht niemanden, der sie erbringt. Für qualifizierte Fachkräfte ist Soziotherapie eine der wenigen echten weißen Flächen im Sozialmarkt.

Stand: Juli 2026. Praxiswissen, keine Rechtsberatung.

Was Soziotherapie ist

Soziotherapie (§ 37a SGB V) unterstützt Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen (vor allem Psychosen, schwere Depressionen), die ärztlich verordnete Leistungen aus eigener Kraft nicht wahrnehmen können: Termine nicht einhalten, Behandlungen abbrechen, den Weg in die Praxis nicht schaffen. Die Soziotherapeutin trainiert mit ihnen genau das: Motivation, Struktur, Anbindung an Behandlung. Verordnet wird sie von bestimmten Fachärzten und Psychotherapeuten, die Kasse zahlt bis zu 120 Stunden innerhalb von drei Jahren je Patient.

Wichtig zur Einordnung: Das ist eine Leistung der Krankenkasse, nicht der Eingliederungshilfe. Anderer Kostenträger, anderes Zulassungsverfahren, andere Abrechnungswelt als alles andere in unserem Gründungs-Hub.

Wer zugelassen wird

Du brauchst einen Versorgungsvertrag nach § 132b SGB V mit den Krankenkassen bzw. ihren Landesverbänden. Die Anforderungen (bundesweit ähnlich, im Detail landes-/kassenabhängig):

Der Weg: Kontakt zu den Kassenverbänden deines Landes aufnehmen, Anforderungskatalog geben lassen, Konzept und Nachweise einreichen. Rechne mit einigen Monaten. In Regionen ohne einen einzigen Anbieter stößt du dabei oft auf offene Türen, die Kassen stehen wegen der Unterversorgung selbst unter Druck.

Warum die Nische so leer ist und was das für dich heißt

Drei Gründe: Kaum jemand kennt die Leistung (selbst viele Ärzte verordnen sie nie, weil es keinen Anbieter gibt, ein Henne-Ei-Problem). Die Zulassung schreckt ab. Und die Vergütung je Einheit ist verhandelt, nicht üppig, aber planbar. Wer die Zulassung hat, hat dafür ein Alleinstellungsmerkmal: verordnete, kassenfinanzierte, wiederkehrende Einzelleistungen mit klarer Stundenlogik.

Der strategisch beste Zuschnitt: Soziotherapie als Baustein neben ambulant betreutem Wohnen. Die Zielgruppen überlappen fast vollständig, die Kombination macht dich für Kliniken und sozialpsychiatrische Dienste zum Rundum-Ansprechpartner: BeWo für den Alltag, Soziotherapie für die Behandlungsanbindung. Einige der wenigen erfolgreichen Soziotherapie-Anbieter arbeiten genau so.

Die Praxis: Verordnung, Doku, Abrechnung

Erste Patienten

  1. Verordnende Ärzte direkt: Psychiater, Nervenärzte, psychiatrische Institutsambulanzen. Stell dich persönlich vor und erkläre, dass es dich jetzt gibt. Viele wissen es sonst schlicht nicht.
  2. Kliniken und Entlassmanagement: Soziotherapie ist das ideale Brückenangebot nach dem stationären Aufenthalt.
  3. Sozialpsychiatrischer Dienst und gesetzliche Betreuer: die üblichen Verdächtigen, siehe BeWo.

Der Teil, an dem die meisten hängen bleiben, ist die GKV-Datenübermittlung nach § 302 SGB V. Wie der Datenträgeraustausch (DTA) funktioniert, was ein Abrechnungsdienstleister übernimmt und was du selbst vorhalten musst, erklärt der Ratgeber Als Leistungserbringer elektronisch abrechnen per Datenaustausch Schritt für Schritt.

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Stand: 7. Juli 2026. Dieser Artikel ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Zulassung und Vergütung sind kassen- und landesabhängig; maßgeblich sind die Verträge mit den Krankenkassen(-verbänden) deiner Region.