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Personal finden als kleiner Träger: was wirklich wirkt

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Nils Rieter · Gründer von Lotsana, IT-Unternehmer aus dem Raum Köln. Baut Fachsoftware für ambulante soziale Dienste und schreibt hier über die Praxis dahinter.

Über 18.000 fehlende Sozialarbeiter, drei Viertel der offenen Stellen rechnerisch nicht besetzbar. Und trotzdem bekommen manche kleinen Träger ihre Stellen voll, während andere monatelang suchen. Der Unterschied liegt selten am Gehalt.

Stand: Juli 2026. Zahlen: IW Köln/KOFA, BA-Engpassanalyse, Branchenbefragungen. Die Studien zu Kündigungsgründen stammen überwiegend aus der Pflege und sind auf die Soziale Arbeit übertragbar, aber nicht deckungsgleich.

Die Lage in Zahlen

Das IW Köln beziffert die Fachkräftelücke in Sozialarbeit und Sozialpädagogik auf über 18.000; 73,8 Prozent der offenen Stellen können rechnerisch nicht passend besetzt werden. In der Kinderbetreuung und -erziehung fehlen weitere 21.000. Fair ist auch: Die Statistik entspannt sich leicht, regional ist die Lage sehr unterschiedlich. Am Grundproblem ändert das nichts: Ihr konkurriert alle um dieselben Leute, auch mit den Jugendämtern selbst.

Warum Fachkräfte wirklich gehen

Die Befragungen zeichnen ein klares Bild, das viele Stellenanzeigen ignorieren: Häufigster Kündigungsgrund ist die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, noch vor dem Verhalten der Vorgesetzten. Jede dritte Fachkraft hat schon einmal wegen der Führungskraft gekündigt. Gehalt ist relevant, aber selten der Hauptgrund. Und die Hans-Böckler-Stiftung schätzt allein für die Pflege, dass Hunderttausende zurückkämen oder aufstocken würden, wenn die Bedingungen stimmten.

Übersetzt: Bindung schlägt Rekrutierung. Die günstigste neue Fachkraft ist die, die nicht kündigt.

Was kleine Träger falsch machen (Erfahrungswerte, ehrlich gesagt)

Das Playbook: sieben Dinge, die funktionieren

  1. Antworte am selben Tag. Eine ehrliche Eingangsbestätigung mit Termin für das Gespräch schlägt jede Hochglanz-Karriereseite.
  2. Mach Vereinbarkeit konkret: „Dienstplan 4 Wochen im Voraus, Wunschdienste, keine geteilten Dienste, Home-Doku möglich." Das sind die Sätze, die Wechsler lesen wollen, und die du dann halten musst.
  3. Mach die Bürokratie-Antwort zum Argument: „Doku per Diktat direkt nach dem Termin, keine Doppeleingaben, kein Abende-Nacharbeiten." Wenn das bei dir stimmt, sag es laut. Es ist einer der meistunterschätzten Wechselgründe.
  4. Bau ein Empfehlungsprogramm mit klaren Regeln: fester Bonus (gestaffelt nach Probezeit), gilt für alle, wird aktiv beworben. Fast alle Unternehmen haben sowas nominell, kaum eines holt das Potenzial ab.
  5. Koopieriere mit Hochschulen und Fachschulen: Praxisstellen, Praxisanleitung, Abschlussarbeiten. Der Weg von der Praktikantin zur Fachkraft ist der verlässlichste Rekrutierungskanal, den es gibt. Er dauert nur länger.
  6. Nutze Quereinstieg, wo er erlaubt ist: Die Regeln sind Landessache (Berlin etwa deckelt Quereinsteiger je Angebot auf 10, im Einzelfall 20 Prozent). In Assistenz und Betreuung sind geeignete Kräfte mit Anleitung ausdrücklich vorgesehen. Kläre die Spielräume deiner Vereinbarung, bevor du „geht nicht" sagst.
  7. Halte, wen du hast: Supervision, die stattfindet. Führung, die zuhört. Und die unbequeme Frage im Jahresgespräch: „Was müsste passieren, damit du kündigst?" Wer sie stellt, erfährt die Antwort vor der Kündigung.

Das Argument, das ihr schon habt

Kleine Träger verlieren den Gehaltsvergleich gegen TVöD-Anbieter manchmal. Aber sie gewinnen woanders: kurze Wege, echte Mitsprache, feste Klienten statt Fließband, Chefin, die die Fälle kennt. Das sind keine Trostpreise, das sind exakt die Vereinbarkeits- und Führungsthemen, an denen die Großen scheitern. Schreib sie in jede Anzeige, konkret statt als Floskel.


Bevor du die nächste Anzeige schaltest, lohnt eine ehrliche Zahl: Wie viele Vollzeitäquivalente fehlen dir wirklich – mit Urlaub, Krankheit und Ausfallpuffer gerechnet? Unser Personalbedarfs-Rechner macht aus bewilligten Stunden eine belastbare Stellenzahl, kostenlos und ohne Anmeldung.

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Stand: 7. Juli 2026. Dieser Artikel ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Verfahren sind regional unterschiedlich; maßgeblich sind die Auskünfte deiner Kostenträger.